Blog – Future Business Model Impact (2/5) | Wertschöpfungslogik und Geschäftsmodellarchitektur

Blog – Future Business Model Impact (2/5) | Wertschöpfungslogik und Geschäftsmodellarchitektur

Blogartikel von Prof. Dr. Bernhard Koye & Kevin Schneebeli

 

1. Wettbewerb findet heute immer seltener zwischen einzelnen Unternehmen statt – er entsteht zunehmend zwischen unterschiedlichen Wertschöpfungslogiken

Viele Organisationen verfügen über ein überzeugendes Leistungsangebot und ein klares Verständnis des Kundennutzens, den sie schaffen möchten. Dennoch unterscheiden sich erfolgreiche Geschäftsmodelle oftmals nicht dadurch, was sie anbieten, sondern wie sie Wert schaffen. Mit Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und vernetzten Ökosystemen verändern sich die Mechanismen der Wertschöpfung grundlegend. Wert entsteht heute immer häufiger im Zusammenspiel verschiedener Technologien, Partner und Plattformen. Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht allein darin, den richtigen Kundennutzen zu definieren. Entscheidend ist die Fähigkeit, diesen Nutzen effizient zu erbringen und die zugrunde liegende Wertschöpfung kontinuierlich an neue Rahmenbedingungen anzupassen.

Das Swiss Future Viability Institute (SFVI) erforscht branchenübergreifend die Leitplanken für die Zukunftsfähigkeit von Organisationen im digitalen Zeitalter. Im Rahmen unserer Blogserie Future Business Model Impact beleuchten wir die zentralen Fähigkeiten, die Organisationen benötigen, um ihre Geschäftsmodelle nachhaltig weiterzuentwickeln. 

Nachdem der erste Beitrag den Kundennutzen als Ausgangspunkt zukunftsfähiger Geschäftsmodelle in den Mittelpunkt gestellt hat, richtet sich der Fokus nun auf die Frage, wie dieser Kundennutzen durch eine zukunftsfähige Wertschöpfungslogik dauerhaft erbracht werden kann. 

 

2. Drei Kompetenzfelder für eine zukunftsfähige Wertschöpfungslogik

1. Geschäftsmodell- und Wertschöpfungsarchitektur
Wertschöpfung entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis einer bewusst gestalteten Geschäftsmodellarchitektur, in der Prozesse, Ressourcen, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten ineinandergreifen. 

Je dynamischer Märkte werden, desto wichtiger wird eine Architektur, die nicht nur effizient funktioniert, sondern zugleich anpassungsfähig bleibt. Zukunftsfähige Organisationen gestalten ihre Wertschöpfung deshalb ganzheitlich und schaffen Strukturen, die sich an neue Anforderungen anpassen lassen, ohne ihre strategische Ausrichtung zu verlieren. Eine tragfähige Geschäftsmodellarchitektur bildet damit das Fundament für effiziente, skalierbare und anpassungsfähige Wertschöpfung.  

2. Ökosystem- und Partnerintegration
Branchenübergreifend verlagert sich Wertschöpfung zunehmend von einzelnen Organisationen hin zu vernetzten Systemen aus Partnern, Plattformen und spezialisierten Akteuren. Damit gewinnt neben der Frage, welche Leistungen ein Unternehmen selbst erbringen sollte, eine zweite an Bedeutung: Welche Rolle will es innerhalb eines Wertschöpfungsnetzwerks einnehmen und welche Fähigkeiten sollten gezielt über Partner eingebunden werden? Zukunftsfähige Geschäftsmodelle zeichnen sich dadurch aus, interne und externe Partner gezielt einzubinden, Verantwortlichkeiten klar zu definieren und Wertschöpfung über Organisationsgrenzen hinweg wirksam zu orchestrieren. Dadurch können Leistungen entstehen, die schneller, spezialisierter oder effizienter erbracht werden, als dies innerhalb einer einzelnen Organisation möglich wäre.  

3. Geschäftsmodellinnovation und Adaptionsfähigkeit
Kein Geschäftsmodell bleibt dauerhaft erfolgreich, wenn seine Wertschöpfungslogik unverändert bleibt. 

Neue Technologien, regulatorische Entwicklungen, veränderte Marktbedingungen und Wettbewerber schaffen kontinuierlich neue Möglichkeiten, Wert zu erzeugen und zu organisieren. Organisationen benötigen deshalb die Fähigkeit, ihre Geschäftsmodelle regelmässig zu hinterfragen und gezielt weiterzuentwickeln. 

Geschäftsmodellinnovation bedeutet dabei nicht, Bewährtes permanent zu ersetzen, sondern die eigene Wertschöpfungslogik gezielt weiterzuentwickeln, wenn technologische, regulatorische oder marktseitige Veränderungen dies erforderlich machen. 

 

3. Leitplanken für zukunftsfähige Geschäftsmodelle

a. Wertschöpfung ganzheitlich gestalten
Branchenübergreifend zeigt sich, dass zukunftsfähige Geschäftsmodelle nicht durch die Optimierung einzelner Prozesse entstehen. Entscheidend ist eine konsistente Geschäftsmodellarchitektur, in der Prozesse, Ressourcen, Kompetenzen und Technologien aufeinander abgestimmt sind und gemeinsam Wert schaffen. 

b. Wertschöpfung über Organisationsgrenzen hinweg denken
Unsere Forschung zeigt, dass erfolgreiche Organisationen ihre Wettbewerbsfähigkeit zunehmend durch Kooperationen, Plattformen und Ökosysteme stärken. Die gezielte Integration externer Partner entwickelt sich damit zu einer strategischen Kernfähigkeit moderner Geschäftsmodelle. 

c. Geschäftsmodelle kontinuierlich weiterentwickeln
Zukunftsfähige Organisationen betrachten ihre Wertschöpfungslogik nicht als statisches System. Sie schaffen Strukturen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und ihr Geschäftsmodell gezielt an technologische, regulatorische und gesellschaftliche Entwicklungen anzupassen. 

 

4. Fazit

Ein überzeugender Kundennutzen entfaltet seine Wirkung erst dann, wenn eine Organisation ihn dauerhaft und effizient erbringen und ihre Wertschöpfung gleichzeitig an veränderte Rahmenbedingungen anpassen kann. Geschäftsmodellarchitektur, Partnerintegration und kontinuierliche Weiterentwicklung bilden deshalb die Grundlage einer Wertschöpfungslogik, die auch unter veränderten Marktbedingungen wettbewerbsfähig bleibt.  

Denn zukunftsfähige Geschäftsmodelle zeichnen sich nicht allein dadurch aus, dass sie heute effizient funktionieren. Entscheidend ist die Fähigkeit einer Organisation, ihre Wertschöpfungslogik frühzeitig weiterzuentwickeln, wenn sich technologische, regulatorische oder marktseitige Rahmenbedingungen verändern.

Für einen strategischen Dialog über die Zukunftsfähigkeit Ihres Geschäftsmodells freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme. 

 


 

Prof. Dr. Bernhard Koye 

Academic Director am SFVI und Co-Fachpartner für Geschäftsmodelle. Pionier in der Erforschung der Auswirkungen der Digitalisierung auf Geschäftsmodelle, Organisationen und Menschen mit Fokus auf den Praxistransfer. 

Langjährige internationale Erfahrung als Executive, Forscher und Coach in Strategie, Transformation und Innovation sowie in der Begleitung von Top-Management-Teams und Executive Development, u.a. bei einer Schweizer Grossbank und dem Swiss Finance Institute. 

Verbindet wissenschaftliche Tiefe mit unternehmerischer Umsetzungskompetenz als Forscher, Coach und Sparringspartner für Entscheidungsträger. 

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Kevin Schneebeli 

Leitung Next Business Models und Co-Fachpartner für Geschäftsmodelle am SFVI. Unternehmer, Investor und praxisorientierter Forscher mit Fokus auf Business- und Finanzökosysteme, Strategie, Geschäftsmodelle und zukunftsfähige Wertschöpfung. 

Erfahrung als Executive, Strategieberater und Business Developer in Banking, Wealth Management, FinTech, digitaler Transformation und Innovation sowie in Forschung und Executive Education. 

Verbindet unternehmerische Umsetzungskompetenz mit strategischer Weitsicht als Sparringspartner für Unternehmer, Investoren und Entscheidungsträger.